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Erste Hilfe beim Hund – Das musst du unbedingt wissen!

Tipp: Erste Hilfe beim Hund

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Mit dem Thema „Erste Hilfe beim Hund“ beschäftigen sich Tierhalter oft zu wenig. Unfälle, Verletzungen, Vergiftungen und andere Notfälle können jeden Vierbeiner betreffen. In diesen Situationen benötigt dein Hund eine Erstversorgung, bis er für den Transport zum Tierarzt fähig ist. Wir erklären dir die wichtigsten Notfallmaßnahmen, mit denen du Erste Hilfe beim Hund leisten kannst.

Erste Hilfe beim Hund: Gesundheitszustand beurteilen

Nicht immer bedeutet ein Notfall deutliche Symptome wie Blutungen oder Bewusstseinsverlust. Generell solltest du wissen, wie du anhand verschiedener Faktoren erkennst, ob es deinem Hund schlecht geht. Folgende Kriterien gelten für gesunde Hunde:

  • Der Stuhlgang ist bei einem gesunden Hund fest geformt. Die Farbe des Kots sollte braun bis dunkelbraun sein.
  • Die Schleimhäute – zum Beispiel das Zahnfleisch – sind rosafarben.
  • Die Körpertemperatur liegt bei gesunden Hunden bei 37,5 bis 39 Grad Celsius. Sie kann bei Überanstrengung oder bei Aufregung leicht ansteigen, was keinen Notfall bedeuten würde.
  • Der Normalwert des Pulses liegt bei 80 bis 120 Schlägen pro Minute. Du kannst den Puls deines Hundes an der Innenseite des Oberschenkels fühlen.
  • Ein Hund macht pro Minute 10 bis 30 Atemzüge.

Wenn sich diese Werte verändern, ist eine tierärztliche Behandlung oder im Notfall Erste Hilfe nötig.

Vorbereitungen für die Notfallmaßnahmen

Zunächst solltest du stets auf einen Notfall vorbereitet sein. Halte deshalb immer die Telefonnummer deines Tierarztes sowie die Telefonnummer der Giftnot-Zentrale in deiner Nähe bereit. Beim Abspeichern im Smartphone kannst du vor den Namen „AA“ oder „01“ setzen, sodass dieser Kontakt an erster Stelle in der Liste erscheint.

Sicherung des Tieres im Notfall

In einem Notfall ist es wichtig, dass du die Ruhe bewahrst – so schwer das auch fallen mag. Du musst Entscheidungen treffen und handeln. Außerdem überträgt sich deine Stimmung auf den Hund. Atme tief durch und wirke beruhigend auf deinen Vierbeiner ein. Rede auch mit ihm in ruhiger Stimme, wenn er bewusstlos ist. Es ist gut möglich, dass er das wahrnimmt.

Sichere deinen Hund mit einer Leine. Im Schock (damit ist nicht der medizinische Schockzustand gemeint) kann es sein, dass er panisch wegläuft. Des Weiteren solltest du dem Vierbeiner eine Maulschlinge oder einen Maulkorb anlegen – selbst der ansonsten liebste Hund kann im Schock oder unter Schmerzen beißen.

Was tun bei einem Atem- oder Herzstillstand

Beim Atem- oder Herzstillstand ist sofortiges Handeln notwendig. Bringe deinen Hund in die stabile Seitenlage, kontrolliere die Atemwege und führe eine Herzdruckmassage und/oder eine Mund-zu-Nase-Beatmung durch.

Was ist die stabile Seitenlage?

Die stabile Seitenlage bewirkt ein Freihalten der Atemwege. Lege deinen Hund auf die rechte Seite und lagere ihn so, dass der hintere Körperteil höher als der vordere Bereich liegt. Notfalls kannst du deine Jacke oder eine Decke unter den Hund legen. Ziehe die Hinter- und Vorderbeine auseinander und öffne das Maul. Bei einem bewusstlosen Tier musst du die Zunge aus dem Maul ziehen und den Kopf leicht nach hinten strecken. Da der Kopf des Hundes in dieser Lage tiefer als der Körper liegt, bewahrst du ihn vor dem Ersticken, falls er erbricht.

So überprüfst du die Atemwege

Manchmal verursacht ein Fremdkörper den Atemstillstand. Wenn der Hund etwas verschluckt hat, kann der Gegenstand in den Atemwegen steckenbleiben. Überprüfe somit zuerst, ob sich ein Fremdkörper im Rachen befindet.

  • Schaue in den Rachen, wobei eine Taschenlampe (zum Beispiel deines Handys) hilfreich ist.
  • Solltest du das Maul des Hundes nicht öffnen können, benötigst du zwei Mullbinden. Forme sie zu Schlaufen und hänge diese in den Unterkiefer und Oberkiefer ein, sodass du das Maul durch Ziehen öffnen kannst.
  • Damit der Hund nicht im Schock zubeißen kann, klemmst du einen Gegenstand wie ein Holzstück zwischen den Unter- und Oberkiefer.
  • Entdeckst du einen Fremdkörper im Rachen, musst du ihn direkt entfernen (lese dazu auch weiter unten über den Heimlich-Griff nach).

Am Heben und Senken des Brustkorbs erkennst du, ob dein Vierbeiner atmet. Ist das nicht sichtbar, legst du deine Fingerspitzen auf die Brust des Hundes oder du feuchtest deine Hand an und hältst sie vor die Nase des Tieres. Atmet dein Hund, zählst du die Atemzüge 15 Sekunden lang. Das Ergebnis multiplizierst du mit 4. Damit ermittelst du die Atemzüge pro Minute.

Erste Hilfe beim Hund – die Herzdruckmassage

Mit einer Herzdruckmassage kannst du deinen Hund wiederbeleben. Die Maßnahme wird bei Herzstillstand angewendet, sodass du damit das Leben deines Vierbeiners rettest. Bei folgenden Anzeichen solltest du direkt eine Herzdruckmassage durchführen:

  • Dein Hund wirkt leblos.
  • Du hast den Puls kontrolliert und keinen Herzschlag feststellen können.
  • Atemgeräusche sind nicht vernehmbar und ebenfalls bewegt sich der Brustkorb nicht auf und ab.
  • Dein Vierbeiner reagiert weder auf laute Geräusche noch auf deine Stimme.
  • Wenn du ihm leicht ins Ohr kneifst, zeigt er keine Reaktionen.

Herzdruckmassage richtig durchführen

Du hast deinen Hund in die stabile Seitenlage gebracht und keinerlei Atmung und Puls feststellen können. Führe fünf Druckstöße mit der Hand aus und anschließend einen Atemstoß per Mund-zu-Nase-Beatmung. Oder führe 10 bis 15 Stöße und im Anschluss zwei Atemstöße durch. Bei einem kleinen Hund übst du den Druck mit einer Hand und bei einem großen Hund mit zwei Händen aus. Handelt es sich um einen Welpen, führst du die Druckstöße lediglich mit zwei Fingern durch.

Mund-zu-Nase-Beatmung – so geht’s

Die Mund-zu-Nase-Beatmung ist Teil der Reanimation.

  • Lege die Zunge des Vierbeiners zwischen die Schneidezähne und halte seinen Kopf fest.
  • Drücke die Lefzen des Hundes zu.
  • Forme aus deinem Zeigefinger und Daumen einen Ring, den du um die Nase des Tieres legst.
  • Lege deinen Mund an diesen Ring.
  • Atme tief ein und blase deine Atemluft durch den Ring in die Nasenlöcher des Vierbeiners.

Wie funktioniert der Heimlich-Griff zur Beseitigung von Fremdkörpern?

Mit dem sogenannten Heimlich-Griff kannst du in einem Notfall einen Fremdkörper aus den Atemwegen deines Hundes beseitigen. Das ist vor allem dann eine Notfallmaßnahme, wenn ein Gegenstand die Atemwege blockiert und ein Atemstillstand droht. Diese Methode wird ebenfalls in der Humanmedizin angewendet. Mittels Druck soll der Fremdkörper aus den Atemwegen entfernt werden.

Achtung! Bei diesem Rettungsgriff besteht aufgrund des hohen Drucks Verletzungsgefahr im Bauch- und Brustbereich. Deshalb darfst du diesen Griff niemals an einem gesunden Tier üben. Außerdem musst du im Anschluss direkt eine Tierarztpraxis aufsuchen. Der Heimlich-Griff ist ausschließlich als Erste Hilfe in extremer Notsituation anzuwenden! Ebenso darfst du den Griff nicht durchführen, wenn dein Hund noch atmet oder hustet.

Was ist eine Notsituation für die Anwendung des Heimlich-Griffs?

  • Ein Fremdkörper blockiert die Atemwege deines Hundes, sodass er keine Luft bekommt.
  • Dein Hund droht zu ersticken oder ist bereits bewusstlos.
  • Es ist bereits zum Atemstillstand gekommen.

So führst du den Heimlich-Griff durch

Dein Hund liegt in der stabilen Seitenlage. Nun schlägst du mit flachem Handballen fünf Mal auf die Schulterblätter. Dadurch soll sich der Fremdkörper lockern. Du positionierst deinen Handballen direkt unterhalb des Rippenbogens. Durch die Schläge oder einem kräftigen Druck erfolgt eine ruckartige Bewegung gen Zwerchfell. Es kommt zu einem Überdruck in der Lunge und der Fremdkörper löst sich.

Prüfe direkt im Anschluss an den Heimlich-Griff, ob du den Gegenstand im Rachen sehen kannst. Entferne ihn sofort, bevor das Tier ihn erneut verschluckt.

Ist der Fremdkörper nicht sichtbar, hebst du deinen Hunden an den Hinterbeinen hoch und schüttelst ihn vorsichtig. Bei einem großen Hund greifst du hinter den Brustkorb und hebst ihn hoch, wobei der Kopf nach unten zeigen muss. Jetzt schüttelst du vorsichtig. Oft fällt der gelockerte Fremdkörper aus dem Maul.

Sollte der Fremdkörper immer noch in den Atemwegen stecken, beginnst du wieder mit dem Heimlich-Griff und schaust anschließend erneut nach, ob du den Gegenstand beseitigen kannst.

24. Juni 2022

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Starke Blutungen stoppen

Wenn dein Hund stark blutet, musst du diese Blutungen stoppen. Für die Erste Hilfe wird ein Druckverband angelegt. Wenn sich damit die Blutung nicht stillen lässt, ist das Abbinden eine weitere Notfallmaßnahme.

Blutungen mit Druckverband stoppen

  • Lege ein steriles Vlies auf die blutende Wunde und drücke eine Mullbinde im aufgerollten Zustand auf das Vlies.
  • Wickle eine weitere Mullbinde um die Wunde und die Mullbinde und zwar so fest, dass die Wunde aufhört zu bluten.
  • Sollte es dennoch weiter bluten, binde die Mullbinde noch einmal fester.

Der Druckverband dient der Ersten Hilfe, um einen großen Blutverlust zu vermeiden. Direkt im Anschluss solltest du deinen Vierbeiner zum Tierarzt bringen.

Abbinden – aber mit Bedacht

Das Abbinden ist nur dann durchzuführen, wenn sich die Blutung mittels Druckverband nicht stillen lässt. Außerdem ist diese Maßnahme ausschließlich für starke Blutungen an den Beinen oder an der Rute geeignet. Verwende zum Abbinden eine Hundeleine, Schnürsenkel oder andere dünne Schnüre. Nach 10 Minuten musst du die Bindung lockern, weil sich Embolien entwickeln können. Danach bindest du erneut ab und lockerst nach 10 Minuten wieder. Am besten befindest du dich dann bereits auf dem Weg zum Tierarzt.

Mit Schocksymptomen rechnen

Bei starken Blutungen sowie bei anderen Notfällen kann es  zu einem Schockzustand kommen. Dabei bricht das Kreislaufsystem des Hundes zusammen und es zeigen sich diese Anzeichen in unterschiedlicher Ausprägung:

  • Dein Hund wirkt schwach, apathisch und zittert.
  • Sein Gang ist unsicher oder taumelnd.
  • Ohren und Pfoten fühlen sich kalt an.
  • Das Zahnfleisch ist blass.
  • Sein Puls ist erhöht und die Atmung schnell und flach.

Diese Symptome müssen nicht alle zusammen auftreten. Manchmal weisen auch nur einzelne Anzeichen auf einen Schockzustand hin.

Bei einem Schock legst du deinen Hund in die stabile Seitenlage, sodass der obere Körperbereich tiefer als der hintere Bereich liegt. Halte die Atemwege frei und decke das Tier mit einer Decke oder deiner Jacke zu. Sollte dein Vierbeiner bewusstlos werden, musst du die Zunge herausziehen und das Maul öffnen. Liegt ein Schockzustand vor, erfolgt immer im Anschluss an die Erste Hilfe der Transport zum Tierarzt.

Erste Hilfe Hund

Transport zum Tierarzt nach der Erste-Hilfe-Maßnahme

Nach der Ersten Hilfe beim Hund musst du deinen Vierbeiner zum Tierarzt bringen. Beruhige das Tier mit leisen Worten oder Streicheln. Halte deinen Hund weiterhin an der Leine, denn er könnte in Panik davonlaufen. Da Hunde, die Schmerzen erleiden oder Angst/ Panik haben, zubeißen könnten, solltest du dich und die Helfer schützen, indem du dem Tier eine Maulschlinge oder einen Maulkorb anlegst.

  • Falls dein Hund selbst zum Auto gehen möchte, kannst du das zulassen – allerdings immer angeleint!
  • Hat der Vierbeiner Kreislaufprobleme, lagerst du den Kopf tiefer als das Hinterteil.
  • Leidet der Hund an Atembeschwerden und richtet sich aus diesem Grund während der Fahrt auf, lässt du dies zu. Er kann im Sitzen oder Stehen wahrscheinlich besser als im Liegen atmen.
  • Ist der Hund immer noch bewusstlos, transportierst du ihn in der stabilen Seitenlage.
  • Bei schweren Verletzungen sollte der Vierbeiner auf einer festen, stabilen Unterlage liegen.

Oft sind verletzte Hunde unruhig. Aus diesem Grund ist es besser, wenn du neben deinem Vierbeiner sitzen kannst, während ein Helfer den Wagen fährt. Kontaktiere den Tierarzt, damit er sich für den Notfallpatienten direkt Zeit nehmen kann.

Hinweis: Wenn du keine Fahrgelegenheit hast, kannst du mit der Feuerwehr unter der Rufnummer 112 in Kontakt treten. Wenn dein Hund droht zu sterben, musst du diesen Schritt nicht scheuen. Es geht schließlich um Leben und Tod.

FAQ zu Erste Hilfe beim Hund

Bei einem Notfall muss dein Hund so schnell wie möglich behandelt werden. Unfälle, Bissverletzungen, Knochenbrüche und Vergiftungen sind Beispiele für Notfälle, bei denen du zwecks Schmerzlinderung oder zur Lebensrettung zunächst Erste Hilfe beim Hund leisten solltest.

Bei einem Notfall erleidet dein Hund entweder starke Schmerzen, wird bewusstlos oder bekommt keine Luft mehr. Auch bei starken Blutungen, Hitzschlag, Verbrennungen und Krampfanfällen benötigt dein Hund Erste Hilfe. Sind die Schleimhäute deines Vierbeiners sehr hell bis weiß, erbricht er Blut oder sind seine Beine plötzlich gelähmt, ist eine Notfallbehandlung notwendig.

Eine Hausapotheke für den Hund ist auf jeden Fall empfehlenswert. Darin sollten Verbandszeug, elastische Binden, Watte, Desinfektionsmittel für Wunden, ein Fieberthermometer und eine Schere enthalten sein. Lege dir am besten zwei Hausapotheken zu, wenn du oft mit deinem Hund im Auto unterwegs bist. Dann hast du bei Beißvorfällen und anderen möglichen Notsituationen direkt alles zur Hand. Packe ebenfalls eine Thermofolie dazu, mit der du deinen Hund bei Unterkühlung oder Bewusstlosigkeit warmhalten kannst.