Vitalpilze in der Tierheilkunde (Gastbeitrag)

Vitalpilze

Vitalpilze sind in alten Kulturen schon seit vielen hundert Jahren bekannt und können so auf eine lange Tradition zurückblicken. Das ursprüngliche Wissen über die Wirkung der Pilze stammt aus dem asiatischen Raum. Überlieferungen zufolge wurde der Vitalpilz Reishi dort schon vor 4000 Jahren aufgrund seiner Wirkung verehrt.

Hierzulande gilt die Pilzheilkunde noch immer als eine sehr junge Therapieform, die vor ca. 50 Jahren in Japan ihren Anfang nahm und seither in zahlreichen klinischen Studien erfolgreich erforscht wird. Dies kommt nun in den letzten Jahren verstärkt unseren Tieren zugute und die Erfahrung zeigt, dass hier die heilende Wirkung der Pilze erstaunliche Ergebnisse erzielt.

Dies lässt sich auf die jahrtausendelange gemeinsame Entwicklung von Pilzen und Tieren zurückführen. Diese führte dazu, dass die Immunabwehr von Pilzen und Tieren zum großen Teil auf das selbe Feindbild von Erregern reagiert. Aus diesem Grund lassen sich die von den Pilzen entwickelten Schutzmechanismen auch ideal auf die Tiere übertragen.

In der Tier-Mykotherapie werden Pilze vor allem bei unseren Haustieren eingesetzt wie dem Hund, der Katze oder dem Pferd. Aber selbstverständlich können auch Kleintiere oder sogar Vögel von der heilenden Wirkung der Vitalpilze profitieren.

Faszinierende Geschöpfe der Natur

Pilze sind faszinierende Geschöpfe, sie gehören weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren. Sie bilden eine ganz eigene Gruppe lebender Organismen mit einer unglaublichen Artenvielfalt. Sie bestehen aus einem Myzel, dem Fruchtkörper und den Sporen.

Mit dem Myzel, welches sich im Erdboden verbirgt und das eigentliche Hauptorgan bildet, nimmt der Pilz Wasser und Nahrung auf. Der Fruchtkörper der eigentlich nur der Fortpflanzung dient, tritt meist nur zu bestimmten Jahreszeiten auf und produziert die Pilzsporen.

Pilze sind in der Lage totes organisches Material zu ersetzen und durch einen natürlichen Recycling-Vorgang in lebenswichtige Stoffe umzuwandeln. In dieser Funktion entwickelten sie zum Beispiel die Fähigkeit, Stoffe zu bilden die gegen Bakterien, Viren und schädliche andere Pilze wirksam sind. Selbst zur Abwehr gegen Würmer und andere Parasiten haben Pilze spezielle Inhaltsstoffe entwickelt.

Perfektes Zusammenspiel der Inhaltsstoffe

Die Heilpilze besitzen eine große Vielfalt an höchst wirksamen Inhaltsstoffen, die sich untereinander perfekt ergänzen. Neben Aminosäuren, Enzymen, Vitaminen und Mineralstoffen sind einige Wirkstoffe besonders hervorzuheben:

  • In mehreren Studien konnten Forscher den Polysacchariden gesundheitsfördernde, Immunsystem verändernde und gegen Tumore wirksame Ergebnisse nachweisen.
  • Ebenso hochwirksam sind die Triterpene. Diese haben ein breites Wirkungsspektrum. Sie wirken unter anderem gegen Krebs, entzündungshemmend, antiviral, antibakteriell, pilzabtötend und können die Schädigung von Körperzellen und –Gewebe hemmen.
  • Eine weitere einzigartige Gruppe von Substanzen die die Vitalpilze besitzen, sind die sogenannten Adaptogene. Diese verbessern die Anpassungsfähigkeit des Körpers und haben eine regulative Wirkung auf das Immun-, Hormon und Nervensystem. Dies bedeutet dass Pilze z.B. ein geschwächtes Immunsystem stimulieren und auch modulieren können, jedoch ein gesundes Immunsystem dabei nicht überstimuliert wird.


Kurzportraits der einzelnen Pilze


Agaricus blazei Murrill – ABM

Der ABM besitzt den bisher höchsten Anteil an Polysacchariden in Medizinalpilzen. In der Tierheilkunde wird er hauptsächlich wegen seiner Wirkung gegen Krebs und seines Einflusses auf das Immunsystems angewendet. Er besitzt eine stark aktivierende Wirkung auf das Immunsystem und ist so hilfreich bei verschiedensten Infektions- und Autoimmunkrankheiten.

Ebenso hat dieser Pilz eine herzstärkende Wirkung und kann Bluthochdruck ausgleichen. Von dieser positiven Wirkung auf das Herz profitieren auch die Bauchspeicheldrüse und die Leber.

Zudem beeinflusst er den Blutzuckerspiel und kann die Glucose im Blut senken. Dies macht ihn zu einem wichtigen Pilz in der Diabetes-Behandlung.


Auricularia polytricha – Judasohr

Dieser Pilz wird hauptsächlich wegen seiner Wirkung auf die Fließeigenschaften des Blutes, die er signifikant verbessert, eingesetzt. Sein Einsatz hilft dabei, dass das Blut flüssig bleibt und die Blutgefäße geschützt werden.

Ebenso eine positive Wirkung hat er auf die Schleimhäute. Seine enthaltenen Polysaccharide hemmen Entzündungen in diesen Bereichen, wie z.B. Sommerekzem, Bindehaut- oder Analbeutelentzündungen.

Ebenfalls besonders erwähnenswert ist seine hemmende Wirkung auf das Wachstum von Sarkomen.


Chaga – Schiefer Schillerporling

Der Chaga besitzt eine stark antioxidative Wirkung und hat seinen Platz vor allem in der Behandlung von Krebserkrankungen. Er besitzt krebshemmende und antitumorale Eigenschaften, besonders im Bereich von Haut und Schleimhäuten.

Ebenso gilt er als Heilmittel bei entzündlichen Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt wie Gastritis oder IBD und hilft bei Tieren die Kotabsatzschwierigkeiten und harten Stuhl haben.


Agaricus bisporus – Champignon

Der uns vor allem als leckerer Speisepilz bekannte Champignon wird in der Tierheilkunde vornehmlich aufgrund seiner Wirkung auf hormonabhängige Tumore eingesetzt. Er hemmt die Bildung eines Enzyms, das eine wichtige Rolle bei Prostata- oder Brustkrebsbildung spielt.

Außerdem zeigt der Champignon eine virenhemmende Wirkung, unterstützt die Wundheilung und unterbindet erfolgreich die Narbenbildung.


Coprinus comatus – Schopftintling

Der Schwerpunkt des Coprinus liegt auf der Bauchspeicheldrüse. Er regeneriert bei Bauspeicheldrüsenentzündungen und hat eine natürliche Schutzwirkung auf die insulinproduzierenden Zellen.

Sein Haupteinsatzgebiet ist die Diabetes-Behandlung aufgrund seiner insulinähnlichen Wirkung. Er wirkt blutzuckersenkend und verbessert die Glukosetoleranz, was zu einer nachhaltigen Normalisierung des Blutzuckerspiegels führt.

Nicht vergessen darf man jedoch auch seine anregende Wirkung auf die Verdauung. Er wirkt regulierend, befeuchtend die Schleimhäute und kann auf diese Weise Verstopfungen lösen.


Cordyceps sinensis – Raupenpilz

Die Anwendungsgebiete des Cordyceps in der Tierheilkunde sind sehr umfangreich:

Er hat eine heilende Wirkung auf die Atemwege und Lunge, wird u.a. bei Husten, COPD und Asthma gerne angewendet.

Bei allen Erkrankungen der Nieren kann er eingesetzt werden da er die Nierenfunktion reguliert und verbessert.

Eines seiner Haupteinsatzgebiete sind die hormonellen Störungen. Er wirkt sich positiv auf die Sexualfunktionen, die Libido sowie die Fruchtbarkeit bei beiden Geschlechtern aus und wirkt regulierend auf den Hormonhaushalt und die Schilddrüse.

Zudem wird er zur Stärkung des Immunsystems, bei Herzproblemen und zur Leistungssteigerung eingesetzt.


Coriolus versicolor – Schmetterlingstramete

Der Coriolus besitzt eine ausgleichende und stimulierende Wirkung auf das Immunsystem. Er wird besonders bei viralen Erkrankungen, wie z.B. dem Katzenschnupfen eingesetzt. Seine stärkende Wirkung auf das Immunsystem macht man sich auch in der Krebsprävention zunutze.

Weiterhin zeigt dieser Vitalpilz eine Wirkung gegen Tumore. Seine spezifischen Polysaccharide entfalten einen zellschädigenden Einfluss auf Krebszellen. Dies hemmt die Bildung und das Wachstum von Tumoren und kann sogar die Selbstzerstörung von Tumorzellen einleiten.


Hericium erinaceus – Igelstachelbart

Ein weiterer beliebter Speisepilz ist auch der Hericium. Hauptsächlich wird er bei Beschwerden im Magen-Darm-Trakt angewendet, wie z.B. Magen- oder Darmentzündungen, Verdauungsprobleme oder Durchfall.

Ebenso positiv wirkt dieser Pilz auf das vegetative Nervensystem, was ihn zu einem wichtigen Unterstützer bei Demenz, Schlaganfall oder Bandscheibenvorfällen wie z.B. der Dackellähmung macht.


Maitake – Klapperschwamm

Dieser Pilz besitzt neben dem ABM die höchste Konzentration an Polysacchariden, was ihn zu einem wichtigen Pilz bei Krebserkrankungen macht. Hier wird er besonders in den Bereichen von Knochentumoren oder -metastasen hinzugezogen, aber auch bei Tumoren von Leber und Lunge.

Gerne wird er auch bei Diabetes Typ II verwendet, da er die Insulinrezeptoren reguliert, die Fettverbrennung anregt und die Einlagerung von Fett im Gewebe vermindert.


Pleurotus ostreatus – Austernpilz

Dieser Vitalpilz wird vorwiegend aufgrund seiner Wirkung auf den gesamten Bewegungsapparat eingesetzt, wie z.B. bei einem Kreuzbandriss oder der Patellaluxation.

Besonders bewährt hat er sich darin, eine gestörte Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen, was nach einer Antibiotikatherapie oder einer Wurmkur unerlässlich sein kann. Durch diese Eigenschaft stärkt er auch das im Darm befindliche Immunsystem, was den Organismus weniger anfällig für Krankheiten sein lässt.


Polyporus umbellatus – Eichhase

Der Schwerpunkt des Polyporus liegt in der Entwässerung. Seine Einnahme wirkt harntreibend und regt den Lymphfluss an. Dies unterstützt zusätzlich die Entgiftung. Er wird bei Wassereinlagerungen wie Lungenödem oder bei der Herzinsuffizienz eingesetzt.

Indem er auf das Lymphsystem wirkt, beeinflusst er alle Tumorarten die über dieses streuen und hemmt so deren Metastasenbildung.


Reishi – Glänzender Lackporling

Der Reishi ist der Pilz mit der längsten Tradition und wird in der traditionellen chinesischen Medizin „Ling Zhi“ genannt, was so viel bedeutet wie „Göttlicher Pilz der Unsterblichkeit“. Tatsächlich wurden diesem Pilz, in zahlreichen Studien, seine positiven Wirkungen auf den gesamten Organismus nachgewiesen.

In seiner Wirkung ist er der Pilz mit den vielfältigsten Anwendungsgebieten:

Durch seinen hohen Gehalt an Triterpenen wirkt der Reishi entzündungs- und vor allem schmerzhemmend und unterstützt die Wundheilung.

Weiterhin hat er eine stärkende Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System und wirkt sich positiv auf alle Herzerkrankungen aus.

Er ist antibakteriell, pilzabtötend, antiviral, schützt die Gefässe und wirkt ausgleichend und histaminunterdrückend auf das Immunsystem, was ihn bei Allergien und Juckreiz zu einem ausgezeichneten Helfer macht.

Ebenso positiv ist seine Wirkung auf die Leber. Er unterstützt sie bei der Entgiftung, hilft bei Entzündung, wirkt antifibrotisch und kann eine Schädigung der Leber verhindern.

Nicht zuletzt wurden in ihm potente Wirkstoffe nachgewiesen die das Krebswachstum hemmen und einer Metastasenbildung entgegenwirken können. Dies macht ihn zu einem unverzichtbaren Heilpilz bei jeglicher Art von Krebserkrankung.


Shiitake – Pasaniapilz

Der Shiitake wird hauptsächlich eingesetzt bei entzündlichen, degenerativen Prozessen des Bewegungsapparats wie Arthrose beim Hund, Arthritis, Hufrehe oder Rheuma. Er wirkt hier durchblutungsfördernd, entzündungs- und schmerzhemmend.

Gerne eingesetzt wird er auch aufgrund seiner tumorhemmenden Wirkung, hier besonders bei Magen-, Darm- oder Blasenkrebs und bei Leukämie.

Kombinationsmöglichkeiten und Anwendung

Zusammenfassend lässt sich sagen, die Vitalpilze bieten fast unbegrenzte Anwendungsmöglichkeiten, sie reichen von der Krankheitsvorsorge bis hin zur Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen.

Die oben vorgestellten Pilze lassen sich problemlos miteinander kombinieren. Gerade bei schwereren Erkrankungen ist es sogar angezeigt, mit sinnvoll ausgewählten Mischungen mehrerer Pilze die Erkrankung und deren vielfältige Symptome und Folgeerscheinungen zu therapieren.

Die Vitalpilze können sehr gut gemeinsam mit den meisten naturheilkundlichen und schulmedizinischen Therapien angewendet werden. Nebenwirkungen beschränken sich auf mögliche Entgiftungsreaktionen oder Erstverschlimmerungen, welche vermieden werden können, wenn die Heilpilze in einer ansteigenden Dosierung eingeschlichen werden.

Um für das Tier den Pilz mit der richtigen Wirkung in der passenden Dosierung zu finden ist es sinnvoll mit einem erfahrenen Tierheilpraktiker oder Mykotherapeuten zusammenzuarbeiten.


Gastartikel von Melanie Lipp:
Vitalpilze TIerheilkundeMELANIE LIPP
Tierheilpraxis Lipp


Leistungen: Mykotherapie, Homöopathie, Bachblüten, Ernährungsberatung, Tierpsychologie, Tierhaltungsberatung.


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