Mein Hund bellt ständig. Was hat es damit auf sich?

Obwohl das Bellen eines der wichtigsten Kommunikationsmittel von Hunden ist, kann es durchaus zu unangenehmen Situationen führen. Etwa, wenn man davon aus dem Schlaf gerissen wird, oder wenn es bereits so spät ist, dass sich der nächstgelegene Nachbar daran stören könnte.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den eigenen Vierbeiner in dieser Angelegenheit zu trainieren, damit er auf Kommando damit aufhört. Aber inwieweit sind diese sinnvoll? Tatsache ist, dass das Bellen eine Möglichkeit für deinen Hund ist, sich dir mitzuteilen. Um des Problems Herr zu werden lohnt es sich viel mehr, diese Kommunikationsart von ihm zu verstehen und zu erkennen, aus welchem Grund er sich regelmäßig durch die Lautsprache meldet. Denn ihm diese abzutrainieren wäre nichts anderes, als sie zu unterdrücken. Als Hundehalter, der sich in der Pflicht sieht, seinen geliebten Vierbeiner möglichst artgerecht zu halten, möchtest du so etwas natürlich nicht.

Der Hund bellt immer, wenn er etwas Wichtiges zu sagen hat

Wie viel ein Kaltschnauzer bellt und wie oft er dazu neigt, es zu tun, hängt zum einen von seiner Erziehung und zum anderen von seiner Persönlichkeit ab. Die wird nicht geringfügig durch die Rasse bestimmt, wodurch man bei Hunden schon regelrecht sagen kann, dass ihnen ein bestimmtes Verhaltensmuster im Blut liegt. In jedem Fall ist aber klar, dass das Bellen eine bestimmte Botschaft enthält. Einfach ohne Grund machen sich die Tiere schließlich nicht bemerkbar.

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Der Hund bellt immer: was will er damit kommunizieren? In erster Linie richtet sich das an sein direktes Umfeld.

„Komm her, geh weg, komm her, geh weg!“

Besonders interessant ist an dieser Stelle, was amerikanische Forscher während einer ausgiebigen Studie herausfinden konnten. Das herkömmliche Bellen erfolgt immer dann, wenn Hunde etwas Seltsames an einer Situation ausmachen können. Zum Beispiel: Jemand Fremdes nähert sich; ein Geräusch wird wahrgenommen, das man so noch nicht kennt. So konnte festgestellt werden, dass das Bellen der Botschaft ähnelt, in der in einer Tour gerufen wird: „Komm her, geh weg, komm her, geh weg!“

Was zunächst eher seltsam wirkt, liegt im Urinstinkt des Hundes verborgen. Da es sich dabei um ein im Rudel lebendes Tier handelt, führt er seine ursprünglich erlernten Verteidigungsmaßnahmen auch in späteren Jahren fort, wenn er längst unter Menschen lebt.

  • „Komm her!“, gilt dabei allen Mitstreitern, die das Rudel gegen unbekannte Gefahren verteidigen werden.
  • „Geh weg!“, ist dabei die Aufforderung an die Schwachen im Rudel, sich in Sicherheit zu bewegen und Schutz zu suchen.
  • Unter Hunden richtet sich diese Aussage allem voran an Welpen und schon leicht ältere Jungtiere. Alle erwachsenen Rudeltiere nehmen indessen eine Kampfhaltung ein und würden ihre Jüngsten auf Leben und Tod verteidigen.

Inwiefern ist diese Erkenntnis nun relevant, wenn man dem Hund das Bellen abgewöhnen möchte? Nun, den Teil davon, in dem er jemanden damit zu vertreiben versucht, kann man nicht einfach abstellen. Aber der eigene Umgang mit der Aufforderung, ihm zur Hilfe zu kommen ist entscheidend.

Die richtige Reaktion, wenn der Hund bellt

Hunde sind Tiere, die nicht etwa darauf reagieren, was sie sehen, sondern vielmehr darauf zählen, was sie hören und riechen können. Angst beispielsweise sorgt durch die dabei produzierten Hormone dafür, dass der Mensch anders riecht – betrifft das den eigenen Besitzer, wird der Hund umso energischer, da er ihn automatisch zu beschützen beginnt.

Aus diesem Grund wird dein Hund auch immer unruhiger, wenn er zunächst zu bellen beginnt und du dann ängstlich darauf reagiert, weil es etwa schon zu spät ist, noch Besuch zu bekommen. Denn der Hund wird entweder in seinem Verhalten bestärkt oder beruhigt. Was dann passiert, hängt von dir ab.

Es ist also bereits ein wichtiger und guter Anfang, Ruhe zu bewahren. Außerdem ist eine sofortige Reaktion notwendig. Ausnahmslos. Selbst, wenn dich das Bellen soeben aus dem Schlaf gerissen hat. Du gehst auf deinen Vierbeiner zu und fragst mit ruhiger Stimme, was los sei. Die Frage im Tonfall bemerkt der Hund dabei durchaus.

Lobende Worte, ihm auf den Körper zu klopfen und beruhigende Worte auszusprechen sind ebenfalls zu empfehlen, da der Hund so vermittelt bekommt, alles richtig gemacht zu haben. Hat er ja auch!

So nicht: Falsche Verhaltensmuster, wenn der Hund zu bellen beginnt

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Das Bellen deines Hundes wird von deinem Verhalten beeinflusst.

Erschrecken kann sich jeder, wenn der Hund plötzlich loslegt und wie aus dem Nichts beginnt, sich lautstark mitzuteilen. Das ruft auch noch keine Angst hervor und deswegen ist auch noch nichts daran verloren. Entscheidend ist, wie die darauffolgende Reaktion aussieht. Folgendes sind Negativbeispiele und sollten daher tunlichst vermieden werden:

  • Wenn es an der Tür klingelt, sofort loszulaufen, um nachzusehen, wer das ist. Laufen ist eine Fluchtreaktion, der Hund wird nur wilder und im schlimmsten Fall lauter werden.
  • Schimpfen, wenn der Hund zu bellen beginnt. Für ihn ist es nämlich eine Schutzreaktion und ein negativer Impuls ist alles andere, als logisch.
  • Auf Bellen mit einem Stoppruf zu reagieren bringt nichts. Das ist nicht anders, als würde man soeben mit ihm schimpfen – und der Hund macht eben nichts falsch, indem er sein Rudel vor möglichen Gefahren warnt.
  • Sein Bellen nachzumachen ist ebenfalls nicht ratsam, denn auf seinen Ruf nach Verstärkung mit Krach zu reagieren, ist überhaupt nicht zielführend. Im besten Fall haben die eigenen Laute keine Bedeutung für ihn. Während dem gemeinsamen Spielen kann es natürlich sorgenlos dazu kommen, ihn mit seinem eigenen Murren aufzuziehen. Solange es auch in diesem Kontext bleibt, verstehen die Tiere das auch als Spiel und machen mit. Viele freut das sogar, denn es ist immerhin positive Aufmerksamkeit für sie.
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Bellen ist nicht gleich Bellen – was teilt das Tier gerade mit?

Nicht immer teilt der Hund soeben eine herannahende Gefahr mit. Er kann durch sein Gebell auch jemanden ankündigen, der in diesem Moment den Schlüssel im Türschloss herumdreht.

Wodurch ist zu erkennen, was er gerade ausdrücken möchte? Die Bedeutung erschließt sich aus der Beobachtung seiner gesamten Körpersprache. Nicht immer setzt er zusätzlich ein Bellen ein, aber die verschiedenen Botschaften werden nachfolgend detailliert beschrieben.

Wenn der Hund bedrohlich bellt

Bedrohliches Bellen muss nicht zwangsweise mit Knurrgeräuschen einhergehen. Hierbei handelt es sich um das zuvor detailliert beschriebene Schutzverhalten im Rudel.

Der Hund bellt aufgeregt

Aufgeregtes Bellen, wenn sich jemand an der Tür befindet, während der Hund übermütig wirkt und seine Rute freudig bewegt zeigt, dass er weiß, wer da jeden Moment heimkommt.

Er bellt nur einmal

Ein einmaliges Bellen bei der Ankunft kann als Begrüßung gewertet werden.

Der Hund bellt, während er spielt

Während dem gemeinsamen Spielen klingt das Bellen zumeist heller und je nach Rasse vielleicht etwas quietschiger. Dabei wird nicht selten auch die Rute bewegt. Auch, wenn in diesem Zusammenhang das Knurren, Bellen oder auch andere Geräusche vom Menschen nachgeahmt werden, reagiert der Hund darauf verspielt.

Er gibt ein abgehacktes Bellen von sich

Abgehacktes Bellen, das noch während dem Laut erstickt klingt, weist darauf hin, dass sich das Tier gerade erschreckt hat oder es Schmerzen verspürt. Gegebenenfalls wird er auch kurz jammern dabei, dann liegt es am Besitzer herauszufinden, was da los ist. Auch aus Angst kann ein solcher Laut erfolgen. Schleckt der Hund daraufhin gleich die Hand seines Besitzers ab, wenn er dazukommt, hat er sich vermutlich nur erschreckt. Vielleicht wurde er gerade aus seinem Schlaf gerissen, obwohl er nur gestreichelt werden sollte.

Das Bellen erfolgt durchgehend und ohne Pause

Durchgehendes Bellen ohne offensichtlichen Grund weist in der Regel auf Angst oder Unsicherheit hin. Fletscht der Hund dabei auch noch seine Zähne, steht ihm der Anlass dazu soeben direkt gegenüber oder befindet sich in unmittelbarer Nähe. Auch der eigene Besitzer sollte ihn hier nicht einfach anfassen, ihm aber durch das Senken auf seine Höhe vermitteln, dass er zu ihm kommen kann und Schutz bei ihm erhält. Das gilt im Übrigen nicht nur für große Hunde. Viele Besitzer machen hier oft den – wenn auch gut gemeinten – Fehler, das Tier hochzunehmen, um es so zu schützen. Dabei passiert das in diesem Moment gegen seinen Willen und sollte daher ausdrücklich vermieden werden.

Hundebellen

Weitere Muster ergeben sich dann aus der jeweiligen Beziehung zwischen Mensch und Tier. So kann es durchaus vorkommen, dass der Hund bei ausbleibenden Routinen zu bellen beginnt, um darauf hinzuweisen. Es gibt aber auch Tiere, die schlichtweg frech zu bellen beginnen, wenn ihr Besitzer gefälligst mit ihnen auf den Balkon kommen soll. Vieles dabei hängt von der Erziehung ab. Dabei ist wichtig, zu bedenken, dass gewisse Verhaltensmuster schwer wieder wegzubekommen sind, wenn sich die Fellnase diese erst einmal antrainiert hat.